Dr. Gerd Müller - Dr. Hendrik Kröning
PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich - Dr. Dagmar Tietze
Dr. Christian Krogel

Palliativmedizin

 

„Palliativmedizin dient der Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Angehörigen, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung konfrontiert sind. Dies geschieht durch Vorbeugung und Linderung von Leiden mittels frühzeitiger Erkennung, hochqualifizierter Beurteilung und Behandlung von Schmerzen und anderen Problemen physischer, psychosozialer und spiritueller Natur.“

Nicht erst im Angesicht des Todes
Die Definition der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2002 macht deutlich, dass Palliativmedizin heute wesentlich mehr ist als „nur“ eine Schmerztherapie für todgeweihte Patienten. Die Not lindern und Symptome erträglich machen – so lautet der Auftrag der Palliativmedizin. Es geht nicht darum, Heilung herbeizuführen, sondern Lebensqualität zu erhalten.

Das heißt, Palliativmedizin findet nicht mehr erst an der Grenze zum Tod statt, Maßnahmen zur „Linderung von Leiden … und Behandlung von Schmerzen …physischer, psychosozialer und spiritueller Natur“ sind schon sehr viel früher im Krankheitsverlauf sinnvoll.

Psychosoziale und spirituelle Begleitung
In der Palliativmedizin geht es um den ganzen Patienten. Zu ihm gehören auch die ihm am nächsten stehenden Personen, seine Familie, ihn oder sie betreuenden Freunde. Patientenleid lindern und gleichzeitig Angehörigen-Belastung verringern, auch das ist ein erklärtes Ziel der Palliativmedizin.

Der Gesetzgeber hat aus diesem Grund bereits im Jahr 2007 die Voraussetzungen für die Verordnung von Leistungen nach der sogenannten Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) geschaffen. Leider ist diese Versorgung noch nicht flächendeckend aufgebaut (siehe Kasten).

Neben der psychosozialen Dimension ist auch die spirituelle Begleitung eine wichtige Komponente der Palliativmedizin. Damit ist weniger die Bindung an eine der großen Weltreligionen gemeint. In der spirituellen Begleitung werden vielmehr Gefühle und Gedanken angesprochen, die gerade angesichts einer lebensbedrohlichen Erkrankung nicht selten sind: „Gibt es etwas, das größer ist als ich, das meinem Leben einen Sinn gibt?“ Diese früher gerne an Seelsorger delegierten Themen werden in der Palliativmedizin von Ärzten und Seelsorgern gemeinsam besprochen.

Linderung beeinträchtigender Symptome
Die psychosoziale und die spirituelle Begleitung machen etwa die Hälfte des Arbeitsaufwandes in der Palliativmedizin aus. Die andere Hälfte ist der sogenannten medizinischen Symptomkontrolle gewidmet. Erfahrungsgemäß benötigen Patienten in drei medizinischen Bereichen besondere Unterstützung:

  • in der Linderung von Schmerzen,
  • bei der Bekämpfung von Symptomen wie Atemnot, Verstopfung und Darmverschluss,
  • bei der Behandlung neuropsychiatrischer Symptome, etwa Depression oder Verwirrtheit.

Die klarste und umfassendste Aussage zur Palliativmedizin stammt von Cecile Saunders. Die Leiterin des ersten im Jahre 1967 in London gegründeten Hospizes hat immer betont, dass es darum geht, Patienten mit einer lebensbedrohlichen und lebenszeitverkürzenden Behandlung Raum zu verschaffen, einen Schutzraum, in dem sie sich rückbesinnen können und Gelegenheit finden, Abschied zu nehmen.

 

SAPV
Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung

Bereits 2007 hat der Gesetzgeber den Anspruch jedes gesetzlich Krankenversicherten auf die SAPV im § 37b des Sozialgesetzbuch V (SGB V) formuliert. Ursprünglich war vorgesehen, bis zum Jahr 2010 in Deutschland eine flächendeckende Versorgung herzustellen. Davon kann leider auch heute noch keine Rede sein. Wenn Sie eine SAPV wünschen, sprechen Sie uns an. Über den Stand der Versorgung in unserer Region können Sie sich auch im Internet informieren: www.ag-sapv.de (unter SAPV-Einrichtungen).

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