Mammakarzinom: Brustkrebs!
Nichts ist mehr so wie es früher einmal war.
Alles, was gestern noch wichtig erschien, ist nun auf einmal zweitrangig. Alles verengt sich auf ein einziges Ziel: Überleben! – Und den Krebs besiegen.
Das Mammakarzinom ist nach wie vor die häufigste aller Krebserkrankungen: Jährlich mehr als 45.000 Neuerkrankungen verzeichnet das Robert-Koch-Institut in Berlin. Nahezu jede zehnte Frau in Deutschland muss heute damit rechnen, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Und nach wie vor gilt leider: Eine garantierte Heilung gibt es nicht. Die Erfolgsaussichten einer Behandlung sind umso besser, je frühzeitiger der Krebs erkannt wurde.
Deshalb ist die Selbstuntersuchung für jede Frau so ungemein wichtig: Einmal im Monat sollten Frauen ihre Brüste abtasten, und zwar vorzugsweise eine Woche nach der Periode. Zu dieser Zeit sind die Brüste weich, und etwaige Verhärtungen lassen sich gut aufspüren. Frauen in und nach den Wechseljahren führen die Tastuntersuchung immer am gleichen Tag im Monat durch.
Drei Viertel aller Knoten sind gutartig
Wenn eine Verhärtung oder ein Knoten spürbar ist, so ist das kein Grund zur Panik, sondern der Anlass für einen Arztbesuch. Ein Knoten muss nicht zwangsläufig Krebs bedeuten, im Gegenteil: drei Viertel aller Knoten sind gutartig. Solche harmlosen Geschwulste wachsen häufig im Binde- oder im Fettgewebe der Brust. Ärzte sprechen dann von Fibromen beziehungsweise Lipomen. Auch flüssigkeitsgefüllte Hohlräume – so genannte Zysten – können sich anfühlen wie ein Knoten, sind aber in der Regel harmlos.
Milchgänge und Drüsenläppchen
Bösartige Tumoren entstehen vorzugsweise im äußeren oberen Teil der Brust, genauer: in dem der Achselhöhle am nächsten liegenden Bereich. Je nachdem, von welchem Gewebe das bösartige Wachstum ausgeht, unterscheidet man zwei Formen: Die duktalen und die lobulären Karzinome.
Erstere gehen von den Milchgängen, letztere von den Drüsenläppchen aus, in denen die Milch produziert wird.
Acht von zehn Mammakarzinomen sind duktalen Ursprungs. Wichtig ist außerdem zu wissen, ob der Krebs die Grenzschicht (das Epithel) der Gänge oder Läppchen bereits durchbrochen hat oder nicht. Wenn das noch nicht geschehen ist, sprechen Mediziner von einem Carcinoma in situ, also von einem „Krebs an Ort und Stelle“. In solchen Fällen sind die Aussichten auf vollständige Heilung besonders groß. Wenn duktale oder lobuläre Karzinome als
„invasiv“ bezeichnet werden, so bedeutet das, dass sie die Grenzschicht zu tiefer liegendem Gewebe bereits durchbrochen haben.
Wie entsteht Brustkrebs?
Wie jede Krebserkrankung entsteht auch das Mammakarzinom letztlich durch einen zellulären „Unfall“, der im Rahmen einer Zellteilung passiert. Vor jeder Zellteilung müssen zunächst die etwa 3 Milliarden Bausteine der Erbsubstanz fehlerlos kopiert werden, damit die neu entstehende Zelle mit der Ursprungszelle identisch ist.
Bei diesem Kopiervorgang entstehen fast zwangsläufig Fehler. Allerdings hat die Natur sozusagen Sicherungen eingebaut, damit diese Fehler nicht zu Erkrankungen führen. Bestimmte Enzyme können Kopierfehler reparieren. Wenn das nicht funktioniert, zerstört sich die Zelle in einer Art Selbstmordprogramm normalerweise selbst. Oder das Immunsystem bemerkt die fehlerhafte Zelle und macht sie mit Hilfe von speziellen Killerzellen unschädlich.
Bei Krebspatienten ist zumindest ein Teil dieser „Sicherungen“ ausgefallen, das heißt, die Zelle mit der fehlerhaften Erbsubstanz teilt sich unaufhörlich weiter, und die entstehende Geschwulst entzieht sich schließlich vielen körpereigenen Kontroll- und Regulationsmechanismen. Ein Karzinom ist entstanden. Weil die „Sicherungen“ gegen Kopierfehler mit zunehmendem Alter immer weniger gut funktionieren, steigt mit der Anzahl der Lebensjahre auch das Krebsrisiko.
Erbliche Veranlagung
Für Brustkrebs kann auch eine erbliche Veranlagung bestehen: Ein erhöhtes Risiko besteht dann, wenn Mutter oder Schwester schon einmal an Brustkrebs erkrankt waren. Auch eine vorangegangene Brustkrebserkrankung bedeutet ein erhöhtes Risiko für bösartiges Zellwachstum in der anderen Brust.
Riskante Hormone
Mittlerweile steht auch fest, dass die früher zur Beseitigung von Wechseljahresbeschwerden verordneten Östrogen-Gestagen-Präparate das Brustkrebsrisiko erhöhen, und zwar besonders stark, wenn sie länger als fünf Jahre eingenommen wurden. Die Empfehlung lautet daher, auf diese Präparate möglichst zu verzichten. Wenn sie aufgrund von schweren Wechseljahresbeschwerden trotzdem eingesetzt werden müssen, soll das möglichst niedrig dosiert und nur für begrenzte Zeit geschehen. Auch die wirksamen Bestandteile der „Pille“ enthalten Hormone. Ihre Einnahme erhöht nach derzeitiger Datenlage das Brustkrebsrisiko jedoch nicht. Das gilt unabhängig von Beginn und Dauer der Einnahme.
Früherkennung rettet Leben
Je frühzeitiger ein Brustkrebs erkannt wird, desto erfolgreicher ist die Behandlung. Im Anfangsstadium macht ein Mammakarzinom keine Beschwerden, deshalb sind neben der Selbstbeobachtung Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig. Neben der jährlichen Früherkennungsuntersuchung ab dem 30. Lebensjahr zahlen die gesetzlichen Krankenversicherungen seit Neuestem auch das so genannte Mammographie-Screening für gesunde Frauen zwischen 50 und 69. Mit diesem bildgebenden Verfahren lassen sich Knoten schon unterhalb der tastbaren Größe sichtbar machen. Ein Teil der mammographisch verdächtigen Befunde erweist sich später allerdings als harmlos. Zur Abklärung muss die Mammographie mit anderen Diagnoseverfahren – Tastbefund, Ultraschall, Kernspintomographie – kombiniert werden. Im Zweifelsfall bringt eine kleine Gewebeprobe, die sich unter dem Mikroskop untersuchen lässt, endgültige Klarheit.
Gewebeprobe bringt Klarheit
Wenn sich der Verdacht bei der mikroskopischen Untersuchung erhärtet, wird das Gewebe auch mit anderen Testverfahren untersucht. Unter anderem versuchen Labormediziner herauszufinden, welche Eiweiße die Zellen des Tumors auf ihrer Oberfläche tragen. Solche Eiweiße dienen bei vielen Tumoren als Andockstellen (Rezeptoren) für die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Bei anderen, sehr aggressiven Tumorformen sind Her2-Rezeptoren auf den Zellen nachweisbar. All diese Rezeptoren sind sozusagen biochemische Schalter: Sind sie angeschaltet, wächst der Tumor, steht der Schalter auf „aus“, verlangsamt sich das Wachstum.
Genaue Informationen über Rezeptoren auf den Tumorzellen sind für die spätere Therapieplanung sehr wertvoll; denn es gibt mittlerweile Medikamente, mit denen sich die Rezeptoren blockieren oder, anders ausgedrückt, die Schalter auf „aus“ stellen lassen.
Maßgeschneiderte Therapie
Der Grundpfeiler jeder Brustkrebstherapie ist nach wie vor die Operation. Allerdings wird heute nur noch in seltenen Fällen die gesamte Brust abgenommen. Eine solche Mastektomie ist beispielsweise notwendig, wenn in der Brust mehrere bösartige Tumoren wachsen. Sollte der Tumor für eine brusterhaltende Operation zu groß sein, so kann man versuchen, ihn vor der Operation mit einer so genannten neo-adjuvanten – das heißt, vor der Operation unterstützend eingesetzten – Chemotherapie zu verkleinern. An die brusterhaltende Operation schließt sich meist eine Nachbestrahlung der Restbrust an, um mögliche verbliebene Tumorzellen abzutöten. Auch eine unterstützende (adjuvante) medikamentöse Therapie ist möglich.
Mikrometastasen zerstören
Zum Einsatz kommen Chemotherapeutika, also Medikamente, die das Wachstum von Krebszellen gezielt hemmen; außerdem so genannte Hormone beziehungsweise Anti-Hormone, mit denen der wachstumsfördernde Effekt des Östrogens gedrosselt werden soll sowie – bei Her2-positiven Tumoren – auch der Antikörper Trastuzumab.
Ziel dieser medikamentösen Therapie ist die Vernichtung von kleinsten Tochtergeschwülsten. Solche Mikrometastasen können, müssen aber nicht zwangsläufig vorhanden sein. Nachweisen lassen sie sich bisher mit keiner Methode. Deshalb werden sie sozusagen vorsorglich bekämpft. Leider ist die adjuvante Therapie nicht immer erfolgreich. Brustkrebszellen nutzen zunächst die Lymph- und später auch die Blutbahnen als Transportwege, um sich dann vorzugsweise in Knochen, Lunge oder Leber anzusiedeln und so größere Metastasen zu bilden.
Krankheitsbewältigung
Aber auch bei einem metastasierten Mammakarzinom ist längst nicht „alles“ verloren. Eine genau auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmte Behandlung ermöglicht in der Mehrzahl der Fälle ein jahrelanges Überleben mit guter Lebensqualität.
Wie gesagt, die Diagnose Brustkrebs verändert das Leben radikal. Jede Patientin ist anders und findet ihren eigenen Weg, mit der Krankheit zu leben. Nehmen Sie sich das Recht, diesen eigenen Weg zu gehen. Tun Sie das, was Sie nach eingehender und umfassender Information für richtig halten. Wir werden Sie dabei nach Kräften unterstützen.