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Prostatakrebs: Teil II

Früherkennung und Diagnose

Im Gegensatz zur BPH macht Prostatakrebs lange Zeit so gut wie keine Beschwerden, weil die Krebszellen nicht in den inneren Bereichen der Drüse, sondern außen, also vergleichsweise weit entfernt von der Harnröhre zu wachsen beginnen.

Dennoch lässt sich das Prostatakarzinom frühzeitig erkennen. Der Tumor hat eine andere Konsistenz als das glatte und elastische, gesunde Prostatagewebe. Bei den meisten Patienten beginnt das Tumorwachstum auf der dem Enddarm zugewandten Seite. Die für den Tumor charakteristischen Verhärtungen im Gewebe kann ein erfahrener Untersucher durch den After ertasten. Eine solche Tastuntersuchung ist Bestandteil der Krebsvorsorgeuntersuchung, die Männer ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich in Anspruch nehmen können.

In der Frühdiagnostik lassen Ärzte häufig auch die Konzentration des PSA im Blut bestimmen. PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen. Dieser Eiweißstoff ist Bestandteil des Sekrets, das die Prostata beim Samenerguss in die Harnröhre abgibt. Bei gesunden Männern gelangen nur winzige Spuren PSA ins Blut. Bei Patienten mit Prostatakrebs sind höhere PSA-Konzentrationen nachweisbar.

Während die regelmäßige Bestimmung der PSA-Konzentration als Kontrolle des Therapieerfolgs eindeutig Kassenleistung ist, wird sie im Rahmen der Früherkennung bisher leider immer noch nicht gezahlt, obwohl sie in Einzelfällen sehr sinnvoll sein kann.

Die zuverlässigste Methode, um einen Krebsverdacht zu erhärten oder auszuschließen, ist die Entnahme einer Gewebeprobe, die so genannte Biopsie. Dazu wird mit einer Stanznadel meist vom Enddarm Gewebe aus unterschiedlichen Bereichen der Prostata entnommen. Unter dem Mikroskop wird anschließend nach Krebszellen und ihren biologischen Eigenschaften gesucht. Die Biopsie ist für den Patienten nicht unbedingt angenehm, bis heute aber leider unverzichtbar.

Bis zum Abschluss der feingeweblichen Untersuchungen im Labor vergehen in der Regel einige Tage. Hat sich der Krebsverdacht dann tatsächlich bestätigt, ist es zunächst wichtig zu wissen, welche biologischen Eigenschaften die Krebszellen haben. Mit dem so genannten Grading unterscheidet man beispielsweise besonders aggressive von weniger aggressiven Zellen. Tumorzellen vom Grad 1 (G1) sind gesunden Prostatazellen noch recht ähnlich. Sie sind noch so gut differenziert, dass sie mit Zellen in ihrer Umgebung kommunizieren können und damit in gewisser Weise auch noch der Kontrolle körpereigener Steuerungssysteme unterliegen. Deshalb wachsen G1-Tumorzellen vergleichsweise langsam.

Tumorzellen vom Grad 4 dagegen sind nur noch wenig differenziert, ihr einziger Zweck ist, unkontrolliert und schnell zu wachsen. G4-Tumorzellen sind besonders bösartig. G2- und G3-Tumorzellen liegen in Differenzierungsgrad und Aggressivität zwischen G1 und G4.

Behandlungsoptionen

Wenn ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, besteht in den allermeisten Fällen kein Zwang, sofort zu handeln. Unter Umständen ist es sogar empfehlenswert, keinerlei Therapie zu beginnen, sondern zunächst wachsam abzuwarten, das heißt, etwa alle drei Monate eine Kontrolluntersuchung durchführen zu lassen. Wird dann eine Behandlung notwendig, so stehen prinzipiell drei Methoden zur Verfügung, die bei Bedarf auch alle miteinander kombiniert werden können: Operation, Bestrahlung und die Behandlung mit Antihormonen.

Wenn der Tumor eine gewisse Größe erreicht, die Prostatakapsel aber noch nicht durchbrochen hat, ist die komplette chirurgische Entfernung der Prostata – die Prostatektomie – die Methode mit der größten Aussicht auf dauerhafte Heilung. Der PSA-Wert fällt meist wenige Wochen nach der Operation auf den Normalwert ab.

Die Operation hat eine Reihe von unerwünschten Folgen, die sich kaum vermeiden lassen. Da in der Nachbarschaft der Prostata Gefäß- und Nervenbündel verlaufen, die für die Funktion der Schwellkörper im Penis wichtig sind, ist nach der Operation die Erektionsfähigkeit bei etwa neun von zehn Patienten beeinträchtigt. Auch wenn es gelingt, zumindest einen der Gefäß-Nervenstränge zu erhalten, klagen mehr als die Hälfte der Patienten über Erektionsstörungen.

Die Prostata liegt außerdem in unmittelbarer Nachbarschaft des Blasenschließmuskels. Nach einer Operation verlieren viele Patienten die Fähigkeit, ihren Urin kontrolliert abzugeben, sie leiden an Inkontinenz. Etwa fünf bis zehn Prozent der operierten Patienten müssen damit rechnen, länger als ein Jahr leicht inkontinent zu sein, auch bei konsequentem Beckenbodentraining.

Bestrahlung und Antihormon-Therapie

Die Strahlentherapie kann bei sehr kleinen Tumoren erfolgversprechend sein, bei großen, inoperablen Karzinomen wird sie ebenfalls eingesetzt. In der Regel hat die Strahlentherapie zwar weniger Nebnwirkungen als die Operation, Potenzverlust und Inkontinenz kommen aber ebenfalls häufig vor.

Mit dritten Option, der so genannten Antihormontherapie, blockiert man die Produktion des männlichen Sexualhormons Testosteron – entweder durch Kastration oder mit Medikamenten. Ohne Testosteron funktioniert die Prostata nicht mehr und auch das Krebswachstum wid zunächst blockiert. Nach einer gewisen Zeit verliert die Therapie jedoch an Wirkung: Der Tumor stellt sich auf den Hormonentzug ein und wächst auch ohne Testosteron weiter.

Erst in dieser Situation ist möglicherweise eine Chemotherapie sinnvoll: Im Sommer des Jahres 2004 wurden dazu zwei vielbeachtete Studien veröffentlicht. Danach lassen sich mit Docetaxel – einem bei Brust- und Lungenkrebs häufig eingesetzten Chemotherapeutikum – die tumorbedingten Schmerzen um nahezu 60 Prozent verringern. Die Verlängerung der Lebenszeit ist mit zwei Monaten zwar bescheiden, aber in dieser Studie für ein Chemotherapeutikum zum allerersten Mal eindeutig nachgewiesen.

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