Dr. Renate Uhle - Dr. Gerd Müller
Dr. Hendrik Kröning - PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich

Prostatakrebs: Teil I

Neun von zehn Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose den sechzigsten Geburtstag bereits hinter sich.

Prostatakrebs ist nicht selten: Mit etwa 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr hat er bei Männern – was die Häufigkeit angeht – das Dickdarm- und das Bronchialkarzinom auf die Plätze 2 und 3 verwiesen. Neun von zehn Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose den sechzigsten Geburtstag bereits hinter sich. Kein Wunder also, dass ältere Männer Angst davor haben, an Prostatakrebs zu erkranken.

Prostatakrebs wächst langsam

Allerdings wachsen Prostatakarzinome im Gegensatz zu vielen anderen Krebszellen nicht schnell. Aus umfangreichen Untersuchungen weiß man heute, dass etwa drei von zehn Männern über 70 ein so genanntes latentes Prostatakarzinom haben. Das heißt, der Tumor wächst so langsam, dass er den meisten dieser Männer im Laufe ihres Lebens keinerlei Beschwerden bereitet. Bevor das Karzinom für diese Patienten spürbar wird, sind sie – meist in hohem Alter – bereits an anderen Krankheiten verstorben.

Rechtzeitig entdeckt, sind bösartige Prostatatumoren heilbar oder zumindest so gut in Schach zu halten, dass der Patient kaum eine Verkürzung seiner Lebensdauer befürchten muss. Dennoch ist das Thema Prostataerkrankungen für die meisten Männer angstbesetzt, rührt es doch im wahrsten Sinne des Wortes an den Wurzeln ihrer Männlichkeit: Die Prostata (Vorsteherdrüse) produziert ein Sekret, das die von den Hoden durch die Samenleiter aufsteigenden Spermien beweglich und damit erst befruchtungsfähig macht. Innerhalb der Prostata münden die beiden Samenleiter in die Harnröhre, die Vorsteherdrüse selbst gibt ihr Sekret während des Orgasmus über viele Ausführungsgänge ebenfalls in die Harnröhre ab. Durch regelmäßige Kontraktionen der Prostata und der Harnröhre gelangt das Ejakulat schließlich nach außen.

Gutartige Vergrößerung

Störungen in diesem komplexen System nehmen mit fortschreitendem Alter zu und können sowohl die sexuelle Potenz als auch die Fähigkeit zur kontrollierten

Harnausscheidung beeinträchtigen. Die „für alte Männer typischen“ anhaltenden Beschwerden beim Wasserlassen sind allerdings so gut wie nie durch ein Karzinom, sondern durch eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse verursacht. Ärzte bezeichnen die Erkrankung als Benigne Prostata-Hyperplasie oder kurz BPH. Etwa ab dem 45. bis 50. Lebensjahr können die ersten Symptome auftreten. Als Ursache gelten Verschiebungen im Hormonhaushalt des älter werdenden Mannes.

Bei einer BPH teilen sich bevorzugt Zellen im Inneren der Drüse. Die zunehmende Gewebemasse kann sich nicht nach außen ausbreiten, da die Prostata von einer recht derben Kapsel umgeben ist. Stattdessen drückt das wachsende Gewebe immer stärker auf die mitten durch die Prostata hindurchführende Harnröhre und verengt sie. Die Folge: Der Urin kann aus der Blase nur noch unvollständig abfließen.

Weil ständig zu viel Harn in der Blase ist, verspüren BPH-Patienten immer häufiger den Drang, zur Toilette gehen zu müssen. Nach dem Wasserlassen haben sie trotzdem das Gefühl, sich nur unvollständig entleert zu haben. Etwa ein Viertel bis ein Drittel aller über 70-jährigen Männer leidet unter diesen typischen Symptomen einer BPH.

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Prostatakrebs: Teil I