Dr. Gerd Müller - Dr. Hendrik Kröning
PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich - Dr. Dagmar Tietze
Dr. Christian Krogel

'Würden Sie sich heute wieder für einen Brustaufbau entscheiden?"

Zwei Jahre nach der Entscheidung für eine künstliche Brust

Gute Operateure bieten ihren Brustkrebs-patientinnen an, direkt nach einer Ablatio (Brustentfernung) – also noch in derselben Operation – mit dem Brustaufbau zu beginnen. Wir haben eine Patientin gefragt, wie sie ihre Entscheidung für einen Brustaufbau zwei Jahre nach dem Eingriff beurteilt.

Wann wurde bei Ihnen das erste Mal Brustkrebs diagnostiziert?

Mit 35 Jahren. Damals bin ich brusterhaltend operiert worden, vier Jahre später wurde ein Rezidiv diagnostiziert, und die Brust musste vollständig entfernt werden. Vor zwei Jahren ist bei mir der Brustaufbau abgeschlossen worden.

Wann haben Sie die Entscheidung für den Brustaufbau getroffen?

Schon vor der Ablatio. Ich fand es gut, dass in einer einzigen Operation auch der Aufbau der Brust begonnen werden konnte. Seit der Diagnose des Rezidivs wollte ich zweierlei: So schnell wie möglich den Tumor loswerden und so schnell wie möglich wieder aussehen wie vor der Operation. Deshalb hatte ich kein Problem, mich für den chirurgischen Aufbau zu entscheiden.

Sie wollten Ihre Erkrankung sozusagen ungeschehen machen?

So ungefähr. Ich hatte vor der Entdeckung des Rezidivs die Angst vor einer möglichen Neuerkrankung schon beinahe verloren, gerade wieder Zutrauen in meine Zukunft gefasst. Und da wollte ich möglichst schnell wieder hin. Mit einem Brustaufbau, so meine Hoffnung, würde ich nicht jeden Tag an meine Krankheit erinnert werden. Allein der Gedanke, jeden Morgen und jeden Abend beim An- und Ausziehen mit Krebs konfrontiert zu sein, erschien mir unerträglich. Ich habe mich deshalb für ein Implantat entschieden.

Hatten Sie Sorge, dass Sie für Ihren Mann weniger attraktiv sein würden?

Insgeheim schon; denn ich war mir ja selbst nicht sicher, mit welchen Gefühlen ich mich nach der Operation im Spiegel betrachten würde. Aber mein Mann hat großartig reagiert: Wir genießen unser Leben und sind glücklich, und das nicht nur platonisch.

Wie sind Sie mit dem Ergebnis des Brustaufbaus zufrieden?

Nicht unzufrieden, aber auch nicht richtig zufrieden. Das Implantat sitzt ja hinter dem Brustmuskel, und ich spüre jede Kontraktion dieses Muskels ganz genau. Das kosmetische Ergebnis ist nicht optimal; ich muss trotz der Operation eine Einlage tragen, um die Form optimal auszugleichen.

Würden Sie sich heute anders entscheiden als vor zwei Jahren?

Möglicherweise. Zumindest weiß ich jetzt, dass die Angst vor einem Rezidiv nicht einfach durch einen Brustaufbau zu beseitigen ist. Diese Angst bleibt. Aber ich versuche, nicht gegen die Angst zu kämpfen, sondern mit ihr zu leben.

Wie geht das?

In erster Linie bemühe ich mich, bewusst zu leben, auch bewusster zu genießen. Ich suche nach Freiräumen für mich persönlich, probiere aus, was mir gut tut. Daneben habe ich aber auch ganz konkrete Aufgaben zu erfüllen, ich muss für meine Familie sorgen, dafür sorgen, dass bei uns „alles läuft“. Diese konkreten Herausforderungen helfen, den Alltag zu strukturieren und damit zu erleichtern.

Würden Sie aus heutiger Sicht wieder einen Brustaufbau machen lassen?

Ich kann mir heute durchaus vorstellen, keinen chirurgischen Aufbau mehr machen zu lassen. Den Ausgleich unter der Kleidung kann man heute nahezu perfekt hinbekommen. Da gibt es Außenprothesen und BH-Einlagen, die wirklich gut sind. Entscheidend ist hier die Beratung eines guten Sanitätshauses.

Wäre eine solche Beratung auch vor Ihrer Operation sinnvoll gewesen?

Damals habe ich mich mit Alternativen zum Brustaufbau gar nicht beschäftigt. Und das ist vielleicht ein Tipp, den man weitergeben kann: Vor dem Eingriff darf man sich nicht unter Druck setzen. Vierzehn Tage sind immer Zeit, um sich gründlich über alle möglichen Dinge zu informieren. Und eine Beratung im Sanitätshaus ist da allemal drin.