Dr. Gerd Müller - Dr. Hendrik Kröning
PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich - Dr. Dagmar Tietze
Dr. Christian Krogel

Leben ist mehr als Krebs

Einfühlsamer Umgang mit Patienten ist gar nicht so schwierig.

Krebspatienten haben ganz besondere Bedürfnisse, und die gehen über eine professionelle medizinische Betreuung weit hinaus. Viele Fragen drehen sich um die Bewältigung der eigenen Krankheit, aber auch um den Umgang mit Angehörigen und engen Freunden. Viele Krebspatienten fühlen einerseits ein starkes Bedürfnis nach Zuwendung und Trost, andererseits möchten sie ihre Umgebung nicht mit ihren eigenen Problemen überfordern. Dieses Hin-und-hergerissen-Sein führt mitunter zu Problemen, die sich mit etwas Offenheit vermeiden lassen. Hier kommen unsere Patienten selbst zu Wort.

Stand der Information: März 2013

„Das wird schon wieder.“ – Bitte sagt so etwas nicht zu mir. Solche vermeintlichen Mutmach-Sprüche signalisieren mir nur, dass Ihr mit der Situation überfordert seid. Sagt mir lieber, dass Ihr selbst verunsichert seid und nicht wisst, wie es weitergeht. Dann können wir darüber reden und das hilft mir mehr als zur Schau getragene Stärke, die in Wirklichkeit keine ist.

Habt keine Angst, mit mir zu reden. Unter einer derart bedrohlichen Krankheit zu leiden, ist schon schlimm genug. Deshalb aber immer nur mit allergrößter Vorsicht behandelt zu werden, gibt mir das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören. Ich bin zwar krank, aber ich nehme deswegen immer noch teil am Leben – wenn vielleicht auch etwas anders als zuvor. Meine Krankheit ist das, was für mich zurzeit „normal“ ist. Deshalb lasst uns auch möglichst normal und ehrlich miteinander umgehen.

Macht Euch keine Sorgen, wenn ich mal allein sein will. Ich weiß Eure Fürsorge zu schätzen, aber manchmal gibt es Phasen, in denen ich Nähe nicht gut aushalten kann. Das hat nichts mit Euch zu tun und ist erst Recht nicht gegen Euch gerichtet. Ich brauche dann einfach etwas Zeit für mich allein. Bitte habt ein bisschen Geduld mit mir und zieht Euch nicht zurück.

Entscheidet nichts über meinen Kopf hinweg. Ich möchte bei allem, was mich und meine Behandlung angeht, selbst entscheiden. Ich bin dankbar für jede Unterstützung, wenn es darum geht, verlässliche Informationen zu besorgen. Ich freue mich auch, wenn wir gemeinsam das Für und Wider zu wichtigen Fragen diskutieren. In bestimmten Situationen kann es aber auch sein, dass ich meinen Arzt oder meine Ärztin bitte, eine Entscheidung für mich zu treffen. Denkt bitte daran: ich bin nicht handlungsunfähig. Selbst wenn es manchmal schwerfällt oder länger dauert: Bitte versucht, meine Wünsche zu respektieren.

Ich bin Euch dankbar, kann es aber nicht immer zeigen. Bei dem Versuch, meinen Alltag so gut wie möglich zu bewältigen, brauche ich mal mehr und mal weniger Hilfe. Wenn ich vielleicht manchmal undankbar erscheine, mag das auch daran liegen, dass ich selber mit diesem Unselbständig-Sein hadere. Es ist nicht immer einfach, sich helfen zu lassen. Missversteht dieses Unbehagen bitte nicht als Ablehnung. Ich habe Euch gerne in meiner Nähe. Meistens jedenfalls.

Leben ist mehr als Krebs. Ja, es stimmt, ich bin schwer krank. Aber ich bin mehr als meine Krankheit. Lasst uns gemeinsam etwas unternehmen. Wenn wir nicht mehr auf große Fahrt gehen können, machen wir eben einen kleinen Ausflug. Wir können zusammen spazieren gehen, kochen, die Nachmittagsvorstellung im Kino besuchen oder einen Spieleabend veranstalten. Und dabei können wir auch zusammen lachen.