Sondenernährung über PEG
Im Laufe einer Krebsbehandlung kann es vorkommen, dass die Nahrungsaufnahme über Mund und Speiseröhre vorübergehend nicht möglich oder nicht ausreichend ist.
Das ist zwar für den Betroffenen unangenehm und lästig, aber kein Grund zur Panik, denn mit den Mitteln der modernen Ernährungsmedizin lässt sich die ausreichende Energiezufuhr fast immer sicherstellen. Zum Beispiel mit Hilfe einer so genannten PEG-Sonde.
PEG steht für Perkutane Endoskopische Gastrostomie. Das bedeutet, dass diese Sonde unter endoskopischer Kontrolle durch die Bauchhaut („perkutan“) in eine künstlich geschaffene Öffnung („stomie“) des Magens („gastro“) gelegt wird. Das heißt, über diese Sonde kann Flüssignahrung von außen über die Bauchwand direkt in den Magen eingeflößt werden.
Trotz der Störung in Mund und/oder Speiseröhre ist es dank der PEG-Sonde nicht nötig, Magen und Darm stillzulegen. Beide Organe können ganz normal weiterarbeiten, medizinisch ausgedrückt: der Patient kann weiterhin enteral, sprich über den Magen-Darmtrakt ernährt werden.
Bereits 1980 entwickelt
Die PEG-Sonde wird vergleichsweise einfach in örtlicher Betäubung angelegt, es ist keine große Operation notwendig. Entwickelt wurde die Methode bereits im Jahre 1980, und heute geht man davon aus, dass jährlich etwa 180.000 bis 200.000 PEG-Sonden neu angelegt werden.
Dazu führt der Arzt zunächst durch Mund und Speiseröhre ein so genanntes Endoskop bis in den Magen. Dieses Endoskop ist ein biegsamer Schlauch, an dessen unterem Ende eine kleine Kamera, am oberen Ende ein Okular angebracht ist. Außerdem ist das Endoskop mit einer Spül- und Absaugvorrichtung und mit Arbeitskanälen ausgestattet, durch die beispielsweise kleine Greifzangen bis in den Magen eingeführt werden können.
Mit Fadenschlinge und Greifzange
Wenn das Endoskop in der richtigen Position liegt, wird Luft in den Magen geblasen, damit er sich entfaltet und besser einsehbar ist. Der Arzt bestimmt nun die Stelle, an der die Sonde gelegt werden soll. Nach der örtlichen Betäubung wird von außen eine mit einem Kunststoffröhrchen ummantelte Nadel durch die Bauchdecke in den Magen eingestochen. Die Nadel wird zurückgezogen, durch das an Ort und Stelle verbleibende Kunststoffröhrchen fädelt der Arzt anschließend die so genannte Fadenschlinge ein, bis sie in den Magen hineinragt. Mit der Greifzange des Endoskops wird der Faden vom Mageninneren her gepackt und bis zum Mund des Patienten hochgezogen. An den aus dem Mund herausragenden Faden befestigt der Arzt die Sonde. Durch Zug am Faden vom Bauchende aus gelangt die Sonde durch die Speiseröhre in den Magen und schließlich aus der neuen Magenöffnung heraus.
Die Sonde wird dann so fixiert, dass sie nicht herausrutschen kann. Auch wenn sich die Beschreibung ein wenig martialisch anhört: Der Eingriff ist einfach, die Komplikationsrate ausgesprochen niedrig. Bereits 24 Stunden nach Anlage der Sonde kann mit der enteralen Sondenernährung begonnen werden.
Wenn sie nicht mehr benötigt wird, lässt sich die Sonde mit einem kleinen Eingriff entfernen. Der Stichkanal in Bauch und Magen wächst innerhalb weniger Stunden wieder zu.
Nicht als „letzte Möglichkeit“
Eine PEG-Sonde ist immer dann in Erwägung zu ziehen, wenn eine enterale Sondenernährung für mindestens zwei oder drei Wochen geplant ist. In der Krebsbehandlung kann das der Fall sein bei Tumoren im Hals-, Nasen-, Ohrenbereich, in der Speiseröhre oder auch in Situationen, in denen mit einem unerwünschten Gewichtsverlust zu rechnen ist, etwa bei besonders anstrengenden Strahlen- oder Chemotherapien. In solchen Fällen wird die PEG-Sonde häufig auch nur zur ergänzenden Nahrungszufuhr eingesetzt. Mit anderen Worten: Der Patient isst so viel wie er kann und erhält das, was er zusätzlich braucht, über die Sonde. Auf diese Weise lässt sich ein Gewichtsverlust sehr viel schneller ausgleichen als über den „klassischen Weg“ der ahrungsaufnahme. Die Verordnung einer PEG-Sonde ist also kein Zeichen dafür, dass es „zu Ende geht“.
Ethische Vorbehalte
Eine PEG-Sonde darf selbstverständlich nur dann gelegt werden, wenn der Patient damit einverstanden ist. Problematisch wird es, wenn sterbenskranke und zur Willensäußerung nicht mehr fähige Menschen an eine PEG-Sonde angeschlossen werden. Durchaus berechtigte ethische Vorbehalte sollten aber den Blick nicht verstellen auf das, was die PEG-Sonde tatsächlich ist: Ein überaus wertvolles Instrument der modernen Ernährungsmedizin.