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Dr. Christian Krogel

Darmkrebs: Die schleichende Gefahr

Nach Brustkrebs bei Frauen und Lungen- beziehungsweise Prostatakrebs bei Männern ist der Darmkrebs mittlerweile auf Platz 2 der häufigsten Tumorerkrankungen vorgerückt

Obwohl Darmkrebs in frühen Stadien gut behandelbar ist, sterben in Deutschland pro Jahr etwa 30.000 Menschen an der Erkrankung. Die bestehenden Vorsorgeangebote werden offenbar nur zögerlich genutzt.

Kopierfehler“ oder direkte Schädigung der Erbsubstanz

Krebs entsteht allgemein durch unkontrolliertes Zellwachstum. Die Zellen der Darmwand teilen sich ohnehin sehr häufig, denn die innere Auskleidung unseres Darmes wird alle fünf bis sieben Tage komplett erneuert. Bei jeder Zellteilung muss aber die Erbsubstanz zunächst kopiert werden. Dass dieser komplexe Vorgang nicht immer fehlerfrei abläuft, ist sozusagen menschlich.

Neben diesen „Kopierfehlern“ kommt es aber auch zur direkten Schädigung der Erbsubstanz, speziell durch krebserregende Substanzen aus der Nahrung, die lange im Dickdarm verbleiben. Faserreiche Kost sorgt für eine Beschleunigung der Darmpassage. Vollwerternährung ist deshalb die erste vorbeugende Maßnahme gegen Darmkrebs.

Die Fehler in der Erbsubstanz bleiben im gesunden Organismus nicht unbemerkt. Spezielle Enzyme können die Schäden reparieren; gelingt dies nicht, läuft in der betroffenen Zelle eine Art Selbstmordprogramm ab; die Zellreste werden vom Immunsystem entsorgt.

Die Leistungsfähigkeit der Reparatursysteme ist allerdings beschränkt. Nach vielen Jahren ungesunder Ernährung kann sich deshalb ein Darmkrebs entwickeln. Schädliche Veränderungen in der Erbsubstanz können allerdings auch von einer Generation auf die nächste vererbt werden. Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Darmkrebserkrankungen sind auf vererbte Schäden zurückzuführen.

Früherkennung rettet Leben

Faserarme Kost, rohes Fleisch und ein hoher Anteil tierischer Fette erhöhen das Darmkrebsrisiko beträchtlich; auch Alkohol und Zigaretten können die Zellen der Darmschleimhaut schädigen. Die Umstellung der Ernährung und die nur mäßige Verwendung der so genannten Genussmittel sind daher eine wichtige vorbeugende Maßnahme.

Die Früherkennung eines Dickdarmtumors ist nicht ganz einfach. Verdächtig ist auf jeden Fall der Nachweis von Blut im Stuhl. Mit einem entsprechenden Test lassen sich auch die mit dem bloßen Auge nicht sichtbaren Spuren nachweisen. Die sicherste Methode zur Klärung eines Darmkrebs-Verdachtes ist die Koloskopie, die Darmspiegelung. Der Untersucher führt dazu einen flexiblen Schlauch in den Darminnenraum ein. Über ein optisches System kann er die gesamte Darmschleimhaut nach Tumoren oder deren Vorläufern absuchen und von verdächtigen Stellen auch Gewebeproben entnehmen.

Koloskopie ab dem 56. Lebensjahr

Auf eine solche Darmspiegelung haben Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen ab dem 56. Lebensjahr Anspruch. Bei negativem Befund kann diese Untersuchung nach zehn Jahren wiederholt werden. Bereits ab dem 50. Lebensjahr können Sie jährlich den Stuhl auf Blutspuren untersuchen lassen. Menschen mit erhöhtem Risiko können diese Maßnahmen selbstverständlich früher und häufiger in Anspruch nehmen.

Ist ein Darmkrebs einmal diagnostiziert, besteht dennoch kein Grund zur Verzweiflung. Denn von diesem Zeitpunkt an kann man aktiv etwas gegen die Erkrankung tun. Solange sich der Tumor im Frühstadium befindet, werden 90 Prozent der Patienten durch eine Operation geheilt. Hat der Krebs die Darmwand bereits durchbrochen und Lymphknoten befallen, reicht die Operation allein nicht aus. Strahlen- und Chemotherapien sind dann zusätzlich nötig.

Darmkrebs: Die schleichende Gefahr