Trastuzumab
Trastuzumab verbessert die Prognose auch bei frühem Brustkrebs
Der monoklonale Antikörper Trastuzumab, besser bekannt unter dem Markennamen Herceptin®, ist bei etwa 20 bis 25 Prozent der Brustkrebspatientinnen hochwirksam. Mit Trastuzumab lässt sich das Sterberisiko um durchschnittlich 34 Prozent, das Risiko einer Wiedererkrankung (Rezidiv) um 46 Prozent senken.
Das ist das Fazit der Zwischenauswertung von vier internationalen Studien mit insgesamt mehr als 11.000 Teilnehmerinnen. Trastuzumab wirkt allerdings nur bei Brustkrebspatientinnen mit Her2-positiven Tumoren. Das bedeutet, dass die Tumorzellen übersät sind mit einem speziellen Protein, von Wissenschaftlern Her2 genannt. Her2 ist ein Rezeptor, der wie ein Lichtschalter in zwei Positionen stehen kann. Ist er „eingeschaltet“, teilt sich die Tumorzelle, der Tumor wächst also. Ist er „ausgeschaltet“, wächst der Tumor weniger schnell oder gar nicht.
Unkontrolliertes Wachstum
Biochemische Schalter oder Rezeptoren kommen auch in gesunden Geweben vor: So genannte Beta-Rezeptoren spielen beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutdrucks. Ob diese „Blutdruckschalter“ ein- oder ausgeschaltet sind, wird im Organismus von verschiedenen Kontrollinstanzen – letztlich durch unser Gehirn – entschieden. Die Kontrolle des Blutdrucks ist damit eingebunden in die Steuerung aller Körperreaktionen.
Ganz anders ist die Situation bei den Her2-Rezeptoren auf Tumorzellen von Brustkrebspatientinnen. Völlig unabhängig von allen körpereigenen Regulationsinstrumenten produzieren die Tumorzellen eine Substanz, die ihre eigenen Her2-Schalter auf „An“ stellen kann. Dieser so genannte Wachstumsfaktor wird im Innern der Zelle hergestellt und nach außen abgegeben, um sich dort direkt an die Her2-Rezeptoren zu heften. Die Folge: Der Schalter springt auf „An“, die Tumorzelle teilt sich, der Tumor wächst unkontrolliert.
Bindung an Her2-Proteine
Ende der 1990er Jahre ist es gelungen, im Labor einen Antikörper herzustellen, der den Her2-Rezeptor genau erkennt. Mit der Bindung des Antikörpers an den Her2-Rezeptor wird der Schalter dauerhaft auf „Aus“ gestellt und das Tumorwachstum erheblich verlangsamt. Von August 2000 an wurde Trastuzumab daher bei Brustkrebspatientinnen mit Her2-positivem Tumor eingesetzt; allerdings nur bei solchen, deren Tumor bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hatte.
Vier internationale Studien widmen sich seit einiger Zeit der Frage, ob es sinnvoll ist, Trastuzumab bereits in früheren Brustkrebsstadien einzusetzen. Die Zwischenauswertungen dieser Studien Mitte des Jahres 2006 haben gezeigt, dass Brustkrebspatientinnen tatsächlich von einer frühen Trastuzumab-Behandlung profitieren. Das Rezidivrisiko sinkt um durchschnittlich 46 Prozent, das Sterberisiko um 34 Prozent.
Seither darf Trastuzumab in Deutschland auch bei nicht metastasiertem Brustkrebs eingesetzt werden, und zwar im Anschluss oder parallel zu einer Standard-Chemotherapie. Die Behandlung dauert in der Regel zwölf Monate. Kommt es vor Ablauf dieser Zeit zu einer Wiedererkrankung (Rezidiv), wird die Trastuzumab-Behandlung abgebrochen.
Und die Nebenwirkungen?
Trastuzumab wirkt in erster Linie auf die Brustkrebszellen und verursacht daher weniger Nebenwirkungen als eine Chemotherapie. Patientinnen beklagen hauptsächlich grippeähnliche Symptome. Bei etwa 1 bis 3 Prozent der unter Studienbedingungen behandelten Patientinnen kam es zu Beeinträchtigungen der Herzfunktion. Vor und während der Trastuzumab-Therapie werden deshalb regelmäßig – in der Regel alle drei Monate – Kontrolluntersuchungen zur Bestimmung der Herzpumpfunktion durchgeführt. Neben der Messung von Gewicht, Puls und Blutdruck gehören dazu die Abnahme eines Elektrokardiogramms (EKG) sowie die Durchführung einer speziellen Schalluntersuchung am Herzen.
Die vier Trastuzumab-Studien:
- HERA - HERceptin Adjuvant Study
- NSABP B-31 - Studie des National Surgical Adjuvant Breast and Bowel Project
- NCCTG N9831 - Studie der North Central Cancer Treatment Group
- BCIRG 006 - Studie der Breast Cancer International Research Group