Dr. Gerd Müller - Dr. Hendrik Kröning
PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich - Dr. Dagmar Tietze
Dr. Christian Krogel

P4 – Krebstherapie der Zukunft

Stahl, Strahl und Chemie – dieses Trio wird häufig genannt, wenn es um die Prinzipien der Krebstherapie geht. Zwar haben Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Tumorbekämpfung, allerdings werden sie heute sehr viel genauer angepasst auf die Situation beim einzelnen Patienten. Beim Deutschen Krebskongress 2016 waren sich die Experten deshalb einig: Moderne Krebs­therapie ist durch vier Ps gekennzeichnet: Sie ist präventiv, personalisiert, präzise und partizipativ.

(zuletzt geändert: April 2016)

 

Moderne Krebsmedizin setzt auf Prävention
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass etwa 30 Prozent aller Krebserkrankungen lebensstilbedingt sind. Tabakrauchen erhöht das Risiko um das 10- bis 20-Fache, fettleibige Frauen haben ein immerhin verdoppeltes Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Wer mit dem Rauchen aufhört, sich regelmäßig bewegt und so sein Gewicht auf einen Body-Mass-Index unter 30 kg/m2 reduziert, tut das Entscheidende, um Krebs vorzubeugen.

Moderne Krebsmedizin ist präventiv auch im erweiterten Sinn. Sie setzt auf Früherkennungsprogramme für Gesunde und kümmert sich um die Vorbeugung von Rückfällen nach überstandener Krebserkrankung.

Moderne Krebsmedizin ist personalisiert
Seit Wissenschaftler in der Lage sind, die Erbinformationen gesunder und erkrankter Zellen innerhalb kurzer Zeit und mit vertretbaren Kosten komplett zu entschlüsseln, ist es möglich geworden, Patienten in Gruppen mit bestimmten genetischen Merkmalen einzuteilen. Das so ermittelte genetische Profil eines Tumors ist einzigartig und kann wertvolle Hinweise bei der Auswahl der richtigen Therapie liefern.

Letztlich geht es darum, genau definierte  Patientengruppen mit Medikamenten zu behandeln, die auf das genetische Profil ihrer Zellen zugeschnitten sind. Das funktioniert bereits heute bei bestimmten Brustkrebsarten, aber auch bei der Therapie von Untergruppen des nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms. Moderne Krebsmedizin ist also auf die einzelne Person, genauer: auf die Erbinformation ihrer Tumorzellen zugeschnitten, sie arbeitet personalisiert.

Moderne Krebsmedizin ist präzise
In vielerlei Hinsicht ist die Krebsmedizin in den letzten Jahren präziser geworden. Die Fortschritte in der molekularen Analyse des Erbguts haben dazu entscheidend beigetragen und werden immer mehr dafür sorgen, dass eine für den einzelnen Patienten maßgeschneiderte medikamentöse Therapie ausgewählt werden kann. Präzision bedeutet aber auch, dass es immer besser gelingt, gesundes Gewebe zu schonen und Tumorgewebe gezielt anzugreifen. Innovative Bestrahlungsmethoden wie die Protonentherapie und neue chirurgische Techni­ken wie die fluoreszenzgestützte Mikrochirurgie oder roboterassistierte OP-Techniken haben die Krebstherapie präziser gemacht.

 

 

Moderne Krebstherapie ist partizipativ
Bei aller Begeisterung für die Fortschritte der Krebsmedizin ist das medizinisch Machbare nicht das ausschlaggebende Kriterium für die Wahl einer bestimmten Therapie. Entscheidend ist vielmehr die persönliche Lebenssituation des Patienten, entscheidend sind seine Wün­sche, Überzeugungen und Wertvorstellungen. Aus diesem Grund ist es wichtig, Patienten die Möglichkeiten ihrer Behandlung zu erläutern und sie in die Therapieentscheidung einzubinden. Derartig beteiligte (partizipierende) Patienten sind weniger ängstlich oder depressiv. Wir Ärzte sind daher aufgefordert, die Kommunikation mit unseren Patienten in diese Richtung zu verbessern.

Das Wohlbefinden des Patienten im Mittelpunkt
Nicht das medizinisch Machbare, nicht die Krankheit als solche, sondern das Wohlbefinden des einzelnen Patienten steht im Mittelpunkt aller medizinischen Maßnahmen. Auf diese Weise verändert sich die Krebstherapie weg von einer nur reagierenden hin zu einer proaktiven und individualisierten Medizin. Die P4-Medizin bietet enorme Chancen und viele Ansatzpunkte im Kampf gegen die Volkskrankheit Krebs, an der jährlich in Deutschland 480 000 Menschen neu erkranken.