Dr. Renate Uhle - Dr. Gerd Müller
Dr. Hendrik Kröning - PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich

Ein Mantel für die letzten Tage

Eine, die das Ausmaß dieser Nöte mit als erste erkannte, war die englische Krankenschwester, Ärztin und Sozialarbeiterin Cicely Saunders (1918 – 2005).

Auf Grund ihrer Erfahrungen in Krankenhäusern während und nach dem zweiten Weltkrieg machte sie es sich zum Ziel, den Menschen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. Zusammen mit der schweizerisch-US-amerikanischen Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross gilt Saunders daher als die Begründerin der modernen Hospizbewegung.

Das Ideal dieser Bewegung ist es, den Kernbedürfnissen der Menschen in der Endphase ihres Lebens gerecht zu werden. Dazu zählen, im Sterben nicht alleine zu sein, an einem vertrauten Ort zu sterben, sterben ohne leiden zu müssen, die “letzten Dinge“ zu regeln und sich mit jemandem auch spirituell austauschen zu können. Ein ebenfalls häufig geäußertes Anliegen ist der Wunsch nach Selbstbestimmung. Die ärztliche Spezialdisziplin, die ihren Teil zu dieser komplexen Betreuung sterbender Menschen beiträgt, ist die Palliativmedizin.

Im Begriff Palliativmedizin steckt das lateinische Verb “palliare“. Es wird unter anderem übersetzt mit “den Mantel um jemanden breiten“. So wie der Mantel die Kälte lindert, so lindert die Palliativmedizin etwaige Beschwerden und erleichtert den Patienten das Sterben. Eine Heilung oder Lebensverlängerung streben die Ärzte nicht mehr an. Vielmehr wird sogar in Kauf genommen, dass die symptomlindernden Maßnahmen unter Umständen – sozusagen als unvermeidbare Nebenwirkung – das Leben verkürzen.

Darin unterscheidet sich die Palliativmedizin übrigens von der sogenannten Palliativtherapie.  Diese umfasst verschiedene Maßnahmen, etwa eine Chemotherapie, und kommt ebenfalls zum Einsatz, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Allerdings ist ihr Ziel, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen, sie hat also lebensverlängernde Wirkung.

In Frieden Abschied nehmen

Leider ist in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt, dass sich viele und auch schwere Symptome in der Endphase des Lebens tatsächlich beeinflussen lassen. Gerade Schmerzen, die meistens im Vordergrund stehen, sind mit wirkstarken Medikamenten gut zu kontrollieren. Das Gleiche gilt vielfach auch für Atemnot, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Schlafstörungen, Angst und Depressionen.

Schwieriger zu behandeln sind je nach Ursache Appetitlosigkeit oder ausgeprägte Schwächezustände (Fatigue). Für viele Patienten mag dann der Gedanke tröstlich sein, dass sie keine belastenden Maßnahmen mehr über sich ergehen lassen müssen, weiterhin aber noch psychisch und seelsorgerisch betreut werden. Dieser Aspekt ist für Sterbende von großer Bedeutung. Ärzte, Therapeuten, Psychologen und Seelsorger stehen daher bei den Reflexionen über das eigene Leben und über die Frage nach dem “Danach“ zur Seite. Darüber hinaus beziehen sie auf Wunsch auch Angehörige und Freunde in den Sterbensprozess ein. So werden Möglichkeiten geschaffen, noch einmal “Danke“ zu sagen oder mit einer Entschuldigung lange schwelende Konflikte beizulegen und in Frieden voneinander Abschied zu nehmen. Für die meisten Patienten ist dies dann doch ein hilfreicher Ausweg aus einer scheinbar ausweglosen Situation.

Palliativmedizin: wo und wie?

Palliative Medizin und Pflege, psychosoziale und spirituelle Begleitung, organisatorische Hilfe – es leuchtet ein, dass alle diese Aspekte nicht von einer einzelnen Person abgedeckt werden können. Ein entsprechendes Betreuungsangebot finden Betroffene daher entweder in spezialisierten Abteilungen von Krankenhäusern, in Hospizen oder Pflegeheimen. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, sich von sogenannten Palliative-care-Teams zuhause betreuen zu lassen. Die Richtlinie zur Verordnung von spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (SAPV-RL) regelt die Ansprüche, die Krankenversicherte auf entsprechende Leistungen haben.

Wenn Sie Fragen dazu haben, sprechen Sie uns an. Gerne klären wir mit Ihnen, welche Angebote es hier vor Ort gibt. Weitere Informationen und Adressen erhalten Sie darüber hinaus bei folgenden Einrichtungen:

Deutsche Hospizstiftung
Europaplatz 7 · 44269 Dortmund
Telefon: 02 31 - 73 80 73 - 0

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V.
Aachener Str. 5 · 10713 Berlin
Telefon: 01805 / 22 14 01
E-Mail: dgp(at)dgpalliativmedizin.de
Internet: www.dgpalliativmedizin.de

Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.
Aachener Str. 5 · 10713 Berlin
Telefon: 0 30 – 83 22 38 93
E-Mail: mailto:dhpv(at)hospiz.net
Internet: www.hospiz.net

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