Dr. Renate Uhle - Dr. Gerd Müller
Dr. Hendrik Kröning - PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich

Fieber und Überwärmung

Es gibt unterschiedliche Fieberarten

Fiebernde Kranke aber zittern selbst bei sehr hoher Körpertemperatur vor Kälte. Woran liegt das?

Fieber ist etwas, das der Organismus sich sozusagen selbst verordnet. Im Temperaturzentrum des Zwischenhirns wird der Temperatur-Sollwert von normalerweise 37 auf über 38 Grad Celsius hochreguliert. Das heißt, der ganze Körper trachtet danach, wärmer zu werden. Eine bemerkenswerte Folge ist das Kältezittern: Der Körper versucht so, sich mit rhythmischer Muskelkontraktion auf die neue Sollwerttemperatur einzustellen. Gleichzeitig sind Herzschlags- und Atemfrequenz beschleunigt, damit der durch die Temperaturerhöhung vermehrte Bedarf an Energie und Sauerstoff gedeckt werden kann.

Die Erhöhung der Sollwerttemperatur im Zwischenhirn kann durch verschiedene körpereigene Stoffe – meist Botenstoffe des Immunsystems – ausgelöst werden. Die großen Fresszellen des Immunsystems geben sie regelmäßig ab, wenn sie eingedrungene Krankheitserreger nach allen Regeln der Kunst zerlegen. Die höhere Körpertemperatur macht den Krankheitserregern schwer zu schaffen und beschleunigt ihre Vernichtung. Fieber ist letzten Endes also immer ein Zeichen für ein funktionierendes Immunsystem.

Unterschiedliche Fieberarten

Ab 42 Grad Celsius wird Fieber lebensgefährlich. Denn bei dieser Temperatur gerinnen die für den Körper lebensnotwendigen Eiweiße in Muskeln, Haut und Haaren. Vor allem werden aber alle biochemischen Werkzeuge (Enzyme) und aus Eiweißen hergestellte Hormone unwirksam.

Im Verlauf eines Tages kann sich das Fieber teilweise um mehrere Grad Celsius verändern. Die im Folgenden beschriebenen Fiebertypen sind allerdings nur dann zu beobachten, wenn nicht frühzeitig fiebersenkende Mittel eingenommen werden.

Kontinuierliches Fieber:

Es handelt sich meist um hohes Fieber um 39 Grad Celsius, das zwischen Morgen und Abend um weniger als 1 Grad schwankt. Dieser Fiebertyp kommt vor allem bei echter Grippe, bei Mandel- und Kehlkopfentzündungen sowie bei Lungenentzündungen vor.

Remittierendes Fieber:

Zwischen der Morgen- und der Abendtemperatur können Unterschiede von bis zu 2 Grad Celsius bestehen. Auch am Morgen bleibt die Körpertemperatur bei über

38 Grad Celsius, ein fieberfreies Intervall wird nicht erreicht. Remittierendes Fieber kommt vor bei schweren Nasennebenhöhlen-Entzündungen, bei Harnwegsinfekten, bei manchen Virusinfektionen und bei rheumatischen Erkrankungen.

Intermittierendes Fieber:

Im Tagesverlauf schwankt die Körpertemperatur um mehr als 2 Grad Celsius; es werden auch fieberfreie Intervalle erreicht. Dieser Fiebertyp kommt allgemein nur bei schweren Erkrankungen vor, beispielsweise bei eitrigen Abszessen und bei akuter Nieren- und Nierenbeckenentzündung.

Überwärmung kann gefährlich werden

Wenn der Körper nur unzureichende Möglichkeiten hat, überschüssige Wärme abzugeben, tritt eine Überwärmung ein. Sie führt zu einer Erhöhung der Körpertemperatur, allerdings ohne dass der Sollwert im Zwischenhirn verstellt worden ist. Überwärmung kann nach schwerer körperlicher Arbeit, durch wärmestauende Kleidung bei hohen Außentemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit auftreten.

Dadurch kann es zu einer Schädigung des zentralen Nervensystems, genauer: zum Hitzschlag kommen. Die Haut ist rot, trocken und heiß, die Atmung flach und der Puls schnell. Jetzt ist schnelle Hilfe geboten:

Der Patient wird an einem schattigen Platz gelagert, beengende Kleidung ist zu lockern, und die Haut sollte mit Wasser angefeuchtet werden. Dem Patienten möglichst kalte Getränke in kleinen Schlucken einflößen.

Ebenfalls durch Überwärmung entsteht der so genannte Sonnenstich: Nach starker Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf oder Nacken kommt es zu einer „Schwellung“ des Hirngewebes oder zur Reizung der Hirnhaut. In leichteren Fällen klagen Patienten über Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Fieber. Bei weiterer Überwärmung treten Benommenheit, Ohrensausen, Krämpfe und Bewusstlosigkeit auf. Die Erste-Hilfe-Maßnahmen sind dieselben wie beim Hitzschlag.

Fieber und Überwärmung