Dr. Renate Uhle - Dr. Gerd Müller
Dr. Hendrik Kröning - PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich

Onkologen sind offener für Komplementärmedizin

Umfrage beim Deutschen Krebskongress 2010

2. März 2010 - Nahezu jeder Krebspatient ist daran interessiert, gegen seine Erkrankung auch selbst etwas zu tun. Ergänzende (komplementäre) oder alternative Therapieverfahren stehen deshalb hoch im Kurs: etwa 80 Prozent der Patienten sollen sie regelmäßig anwenden. Die meisten Krebsärzte dagegen lehnen diese Verfahren mehr oder weniger offen ab - hieß es zumindest bis jetzt.

Viele Onkologen wenden bereits heute ergänzende Therapien an
Bei einer im Rahmen des diesjährigen Deutschen Krebskongresses durchgeführten – allerdings nicht repräsentativen – Umfrage votierten etwa drei Viertel der befragten Ärzte dafür, die Komplementärmedizin in die Onkologie zu integrieren. Sechs von zehn Ärzten gaben an, in ihrer Praxis vor allem naturheilkundliche, pflanzenheilkundliche und ernährungsmedizinische Verfahren anzuwenden.

Die Deutsche Krebsgesellschaft will auf diesen Trend reagieren. Professor Matthias Beckmann kündigte die Erarbeitung einer „Leitlinie Komplementärmedizin“ an. Der Direktor der Universitätsfrauenklinik in Erlangen warnte allerdings auch vor Euphorie: Es sei keineswegs klar, welche Methoden empfehlenswert seien. Mistelextrakte oder Vitaminkuren hält er für noch nicht ausreichend geprüft. Ausdrücklich warnte er davor, etwa Mistelextrakte während einer Herceptin®-Behandlung einzunehmen, weil die Wechselwirkungen zwischen beiden Präparaten zu wenig untersucht seien.

Leitlinie Komplementärmedizin - Warnung vor Euphorie

Ein „kritisches Herangehen“ an die Komplementärmedizin wurde auch von anderen Rednern beim Krebskongress gefordert. Auch Wirksamkeitsnachweise, die den Kriterien der Schulmedizin standhalten müssten, wurden gefordert. Andere Beiträge verwiesen darauf, dass komplementäre Therapieverfahren als das gesehen werden müssten, was sie sind: ergänzende Maßnahmen, die das Wohlbefinden des Patienten steigern sollen. Niemals dürften diese Maßnahmen als Alternative zu einer Operation oder einer Chemotherapie gesehen werden.

Das Thema bleibt sicherlich auf der Tagesordnung. Immerhin hat die Komplementärmedizin beim diesjährigen Krebskongress zum ersten Mal öffentlichkeitswirksam die heiligen Hallen der konventionellen Medizin betreten.


Quellen: Ärztezeitung vom 1. März 2010 – eigene Recherchen

Onkologen sind offener für Komplementärmedizin