Dr. Renate Uhle - Dr. Gerd Müller
Dr. Hendrik Kröning - PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich

Krebsabwehr des Körpers stimulieren

Personalisierte Immuntherapie steht im Mittelpunkt

20. Juni 2010 - Die Immunabwehr des Körpers ist gegen Krebszellen aktiv. Doch oft verliert sie das Duell mangels Feindbild, weil sich Tumorzellen - anders als Viren und Bakterien - von den übrigen Körperzellen nur wenig unterscheiden oder sich sogar als bestimmte Körperzellen tarnen. Wissenschaftler der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums haben nun ein biochemisches Verfahren entwickelt, mit dem man die winzigen, unverwechselbaren Merkmale von Krebszellen identifizieren will. Das bildet die Grundlage, um die körpereigne Abwehr zu befähigen, Krebszellen aufzuspüren und zu vernichten.

Auf das individuelle Abwehrspektrum kommt es an

Kein Mensch ist wie der andere. Selbst Patienten, die an der gleichen Tumorerkrankung leiden, haben ein unterschiedliches Spektrum an Abwehrzellen. Deshalb muss man personalisiert vorgehen. Ein kompliziertes Unterfangen: Die Forscher entnehmen also einem ganz bestimmten Patienten Abwehrzellen. Sie aktivieren diese in der Kulturschale mit den passenden Substanzen, sogenannten Antigenen. Dann spritzen sie dem Patienten diese manipulierten Zellen wieder, jetzt "ausgebildete Fahnder" auf der Suche nach Krebszellen. 

Zielstrukturen für individuelle Tumorimpfungen

Auf welche Proteinmerkmale des Tumors haben es die Abwehrzellen aber eigentlich abgesehen? Die Arbeitsgruppen von Christel Herold-Mendel und Philipp Beckhove trennten das Proteingemisch einer Tumorgewebeprobe in alle Einzelkomponenten. Danach untersuchten sie diese, ob sie die Abwehrzellen des Patienten zu stimulieren vermögen. Mit diesem Verfahren identifizierten die Forscher einige Proteine aus bösartigen Hirntumoren, die noch nicht als Tumorantigene bekannt waren. Zwei der neu entdeckten Antigene bildeten nicht nur die Hirntumorzellen selbst, sondern auch das sie umgebende Gewebe, das Tumorstroma. Dieses Gewebe steht in enger Wechselwirkung mit dem Tumor.

Philipp Beckhove erklärt dazu: „Der Tumor ist von seiner Umgebung abhängig. Treffen wir das Stroma, geht auch der Krebs zugrunde – ein ganz neuer Ansatz in der Krebstherapie.“ Die Forscher sehen zahlreiche Möglichkeiten das neue Protein-Trennverfahren einzusetzen, da es schneller und kostengünstiger ist als bereits verfügbare Methoden. 

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

 

Krebsabwehr des Körpers stimulieren