Dr. Renate Uhle - Dr. Gerd Müller
Dr. Hendrik Kröning - PD Dr. Kathleen Jentsch-Ullrich

Hohes Alter allein zwingt nicht zur "sanften" Therapie

Auch jenseits von 70 Jahren lohnt sich häufig eine Kombinations-Chemotherapie

6. Juli 2010 - Auch Patienten jenseits von 70 Jahren mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkrebs und gutem bis mäßigem Allgemeinzustand profitieren von einer vergleichsweise intensiveren Kombinationschemotherapie. Die Zeit bis zum Fortschreiten der Krankheit und auch die Gesamt-Überlebenszeit lassen sich so erheblich steigern. Hohes Alter allein ist damit kein Argument mehr für eine „sanftere“ Monotherapie.

Zu diesem Ergebnis kommt eine französische Arbeitsgruppe aus Strasbourg, die ihre Studie bei der Jahrestagung der US-amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) präsentierte. Die Forscher um Elisabeth Quoix verglichen zwei Patientengruppen mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkrebs. In beiden Gruppen waren die Patienten zwischen 70 und 89 Jahre alt, konnten aber die Aktivitäten des täglichen Lebens noch verrichten. Die eine Gruppe erhielt Gemcitabin oder Vinorelbin als Monotherapie. In der anderen Gruppe wurde Carboplatin mit Paclitaxel kombiniert gegeben.

Die Kombinationstherapie erwies sich als sehr viel vorteilhafter: Bis zum Fortschreiten der Erkrankung dauerte es median 6,3 Monate; unter der Monotherapie war schon nach median 3,2 Monaten ein Fortschreiten der Erkrankung zu verzeichnen. Auch in Bezug auf die Gesamt-Überlebenszeit war die Kombinationstherapie mit median 10,3 Monaten der Monotherapie mit median 6,3 Monaten deutlich überlegen.

Fazit: Wann immer möglich, sollten auch NSCLC-Patienten über 70 Jahre künftig mit einer Kombinationschemotherapie behandelt werden. Voraussetzung ist ein guter bis mindestens mäßiger Allgemeinzustand.


Quelle: Post-ASCO-Symposium des Westdeutschen Tumorzentrums in Essen

Hohes Alter allein zwingt nicht zur "sanften" Therapie